In Hamburg bekommt man Muskelkater vom vielen Laufen. In Hamburg bekommt man Kopfschmerzen von all dem Lärm. Und in Hamburg muss man garantiert nicht verhungern.
Nein, das ist nicht alles, was ich aus dem gestrigen Tag gezogen habe.
Schon die Zugfahrt war spaßig, weil einfach schön gemütlich, und die anschließende Bummeltour durch die Mönckebergstraße ist auch nicht zu verachten gewesen – allerdings wäre es mir in der Tat lieber, es wäre nicht so schauderhaft viel los dort. Wie allgemein bekannt, hasse ich Menschenaufläufe wie die Pest..ich kann mich dann ohnehin nicht richtig auf die Eindrücke um mich herum konzentrieren.
So verbrachten Dustin und ich den Bummel an sich lieber auf den Sofas bei Saturn vorm Fernseher oder auf den Bänken vor den Läden, die sich Marcels Aufmerksamkeit erfreuten…nicht weniger anstrengend gestaltete sich das Mittagessen, da das Lokal unserer Wahl natürlich genauso hoffnungslos überfüllt war.
Was sich hier anhört wie Gemecker, ist zwar Tatsache, war aber dennoch recht lustig, weil man so einfach mal über sich selbst lernen konnte: wir sind Kleinstadtpomeranzen. Jawohl.
Auf der Gayvention, die das eigentliche Ziel dieses Trips darstellte, wurde die Sache dann schon spannender.
Nicht genug, dass wir natürlich reichlich was für die hungrigen Augen bekamen…nein, man musste auch noch an jedem Messestand mit Sekt zugeschüttet werden und sich vor lauter Anquatscherei kaum retten können…hochinteressante Leute, die einem da so freimütig das Ohr abkauten.
Von Schwulenurlaub über Fetisch-Stand bis Hochzeit mit Feuerwerk war alles dabei. Eine einmalige Gelegenheit, das Szeneleben ganz unverfälscht von allen Seiten zu begutachten…die noch dazu ganz hervorragend organisiert schien, zumindest hat man von irgendwelchen Fauxpas’ nicht wirklich etwas mitbekommen. Man kam sogar bis auf 2 m Abstand an Dolly Buster heran… *schmunzel* Das nennt man dann wohl meine erste Begegnung mit einem Promi…
An dieser Bühne bewiesen Marcel und ich abschließend dann nochmal richtige Zickenqualitäten.
Dass auf solchen Veranstaltungen die Presse stark vertreten ist, ist ja soweit einleuchtend. Dass die sich dort nichts entgehen lassen wollen ebenso. Dass sie allerdings sämtlichen Zuschauern ständig die Sicht versperren, weil sie natürlich auf die Bühnentreppen hinaufsteigen müssen, ist hingegen weniger liebreizend.
Das hatten wir nun also bei einem vorangegangenen Showact schon einmal über uns ergehen lassen müssen. Als dann die Schwulenhochzeit stattfinden sollte, sagten wir uns folglich: Nicht nochmal! So fanden wir also unseren Platz auf den Treppenstufen hockend; nicht mal einen m² haben wir zu dritt dazu gebraucht. Zunächst hatte da auch niemand was gegen einzuwenden…bis das Fernsehteam von ARD Brisant auf der Bildfläche erschien. Nachdem vehementes Gedrängel sie nicht weiterbrachte, meinte nun also die gute Dame am Mikrofon, sie müsse uns in äußerst unhöflichem Ton auffordern, ihren Arbeitsplatz zu räumen. Schließlich sei es ja wichtig, dass diese Hochzeit alle Leute sehen könnten.
Na fein. Aber wir sind extra nach Hamburg gefahren und haben Eintritt bezahlt. Da wollen wir uns ja nicht die Presse-Rücken für ansehen. Das haben wir natürlich auch lautstark deutlich gemacht…und nach einigen leeren Drohungen war tatsächlich Ruhe. Abgesehen davon, dass wir noch ein paar Mal einem aufdringlichen Menschen in sein Mikro husten mussten, bis wir selbiges nicht mehr ständig auf den Kopf bekamen. Das war ein Spaß…
Im Anschluss an diesen sehr romantischen Messe-Abschluss fanden wir uns mal wieder beim Essen in der Shoppingmeile wieder. Eigentlich wollten wir dann zwar noch diverse Lokalitäten von St. Pauli unsicher machen, entschieden uns letztlich wegen Kälte und Müdigkeit aber doch dagegen.
EIGENTLICH hätte der Abend gemütlich ausklingen können. Dummerweise gab es da einen sehr klugen Autofahrer, der kurz hinter Owschlag sein Auto auf den Gleisen parken musste – weshalb unser Anschlusszug volle 70 Minuten Verspätung hatte und wir erst weit nach 0 Uhr wieder im Heimatbahnhof landeten. Irgendwas ist eben immer.
Jaaa, ich bin eine Meckerziege. Das soll aber bitte nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir einen wunderschönen Tag in Hamburg verbracht haben – und zu meinen beiden Begleitern kann ich nur sagen: die besten Gesprächspartner eines Mädchens sind eben schwul.
Vielen Dank euch zweien dafür.